Als wir im Sommer 2007 als Jugendliche mit einer Videokamera loszogen, wollten wir einfach einen Film drehen. Viel Planung gab es nicht, dafür umso mehr Begeisterung, Fantasie und die feste Überzeugung, dass unsere Geschichte unbedingt auf die Leinwand gehört. Entstanden ist damals ein chronologisch erzählter Film über Stefan, der einen alten Liebesbrief entdeckt und sich mit seinem Freund Martin auf eine abenteuerliche Reise quer durch die Schweiz macht, um seine erste grosse Liebe Gina wiederzufinden.
Fast zwanzig Jahre später habe ich das ursprüngliche Material wieder hervorgeholt und festgestellt, dass darin weit mehr steckt als bloss nostalgische Erinnerungen. Die Szenen, die wir 2007 gedreht haben, besitzen eine Authentizität, die man heute kaum künstlich erzeugen könnte. Wir waren echte Jugendliche, spielten uns selbst und erzählten mit viel Ernst und unfreiwilliger Komik von Liebe, Freundschaft und den grossen Hoffnungen des Erwachsenwerdens.
Statt den alten Film einfach zu restaurieren, habe ich mich entschieden, ihn dramaturgisch neu zu denken. Die ursprüngliche Geschichte bleibt erhalten, wird jedoch in eine neue Rahmenhandlung eingebettet. Im Zentrum steht Lucies dreizehnter Geburtstag. Während im Partyraum gefeiert wird, sitzt sie im Nebenraum und wartet verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihres Freundes Joel. Stefan versucht, sie zu trösten, indem er eine seiner legendären Geschichten aus der Vergangenheit erzählt. Nach und nach kommen weitere Familienmitglieder hinzu, kommentieren seine Erinnerungen, widersprechen ihm und stellen seine sehr persönliche Version der Ereignisse immer wieder infrage.
Dadurch entsteht eine völlig neue Erzählstruktur. Aus einer geradlinigen Jugendgeschichte wird ein Film, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herspringt. Die alten Szenen von 2007 werden nicht einfach gezeigt, sondern aus heutiger Sicht erzählt, kommentiert und mit viel Humor gebrochen. Gleichzeitig erhält die Geschichte eine zusätzliche Ebene, denn sie handelt nicht nur von einer ersten Liebe, sondern auch davon, wie wir uns an unsere Vergangenheit erinnern und wie sehr sich Erinnerungen mit den Jahren verändern.
